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  • „Dicke schädigen die Umwelt“: Wie Clickbait funktioniert…

    Im Internet lässt sich im Prinzip auf zwei Wegen schnell Geld verdienen: Entweder ein Kunde kauft, bzw. abonniert etwas und bezahlt dafür oder es wird Werbung gemacht. Um mit Werbung Geld zu verdienen, muss man selber eigentlich nicht produktiv sein. Es reicht, dass man Leser auf seine Webseiten lockt und diese möglichst lange dort aufhält. Um das zu erreichen wird sogenanntes „Clickbailt“ verwendet. Übersetzt heisst dass „Klick-Köder“ und beschreibt eine Masche, mit der Leser über reißerische Überschriften dazu verleitet werden, ein Link anzuklicken. Anschließend muss dieser Leser nur noch möglichst lange auf der entsprechenden Webseite festgehalten werden, um die geschaltete Werbung wirken zu lassen. Beides – das Klicken und die Verweildauer – wird registriert und abgerechnet.

    Ein schönes Beispiel ist die Überschrift Übergewichtige verschwenden Lebensmittel und schädigen die Umwelt wie ich sie auf der Webseite „Adipositas-Page“ gefunden habe.

    Was hier suggeriert werden soll, ist offensichtlich: Dicke sind schlecht für die Umwelt. Wenn man sich aber mal zu der Quelle dieser Behauptung durchklickt – einer Pressemitteilung des „Karlsruher Institut für Technologie“ – dann fällt als erstes auf, dass hier die Überschrift eine ganz andere ist: „Ein Fünftel aller Lebensmittel wird verschwendet„. Es handelt sich um eine Studie von Geowissenschaftlern und Klimaforschern. Einer Forschergruppe, die normalerweise nicht als Experten für Ernährung angesehen werden. Auch geht es in der Studie primär um die Verschwendung von Lebensmitteln insbesondere während des Produktionsprozesses. Und dieser Produktionsprozess wird für Umweltschäden verantwortlich gemacht. Das ist unbestreitbar richtig. Das Thema „Überernährung“ wird zwar in diesen Zusammenhängen auch erwähnt, den allergrößten Anteil an der kritisierten Verschwendung hat, laut Studie, aber „Der am wenigsten effiziente Prozess, … die Viehzucht“. Zitat:

    „Der am wenigsten effiziente Prozess, so die Forscher, sei dabei die Viehzucht, mit Verlusten von 78 Prozent oder 840 Millionen Tonnen: Mehr als eine Milliarde Tonnen Getreide werde allein dafür eingesetzt, um 240 Millionen Tonnen essbare Tierprodukte wie Fleisch, Milch und Eier zu produzieren. Nur diese Stufe im Nahrungsmittelsystem sei schon für 40 Prozent aller Verluste bei geerntetem Getreide verantwortlich.“

    Sie merken wahrscheinlich selber: Die Darstellung der tasächlichen Ergebnisse der Studie ist weit weniger interessant, als die Überschrift vermuten ließ. Aber wir alle sind in der einen oder anderen Art und Weise, darauf angewiesen, dass das, was wir im Internet veröffentlichen, auch gelesen wird. Auch wenn wir (hier auf den Seiten des Adipositas-Zentrums Winsen und auf bei der Adipostias-Page) gar keine Werbung geschaltet haben. Jedenfalls wird halt auch mal „getrickst“. Die Adipositas-Page macht das genau so wie wir hier…

     

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